Hannoversche
Allgemeine Zeitung, 13.09.2006
"WENN DIELIEBE HINFÄLLT"
Zufit Simon und Felix Landerer tanzen in der Eisfabrik
von
Kerstin Hergt
Rote Lippen sind auf zwei schweißglänzende Rücken projiziert.
Sie lächeln, verziehen sich spöttisch, lächeln wieder
und kräuseln sich schließlich zum Kussmund. So weit, so flüchtig.
Die Lippen verschwinden, die Körper entfernen sich voneinander.
Ein Happy End ist nicht in Sicht. Zufit Simon und Felix Landerer tanzen
in dem von Simon choreografierten Stück „insich“ durch
die Gefühlswelt einer Paarbeziehung.
Mit eckigen Bewegungen und temporeichem Wechselspiel von körperlicher
Nähe und Distanz markieren Simon und Landerer den Konflikt zwischen
dem Wunsch nach Zweisamkeit und dem Willen nach Unabhängigkeit.
Lässt sich einer in die Arme des anderen fallen, windet er sich
im nächsten Moment schon wieder heraus. Das Wechselspiel zwischen
zarter Annäherung und entschiedenem Wegstoßen endet schließlich
in spielerischem Balgen. Beide verharren atemlos am Boden. Gleichsam,
als ob die Liebe hingefallen ist.
Dass sie nicht nur ausgezeichnete Tänzer, sondern auch bemerkenswerte
Choreografen sind, bewiesen Zufit Simon und Felix Landerer bei ihrem
Tanzabend in der Commedia Futura in der Eisfabrik in Hannovers Südstadt
neben dem Duett „insich“ nicht zuletzt mit zwei Solostücken.
Die aus Israel stammende Zufit Simon ist für „fleischlos“
bereits beim Solotanzfestival in Leipzig ausgezeichnet worden. Das Stück
ist geprägt von kraftvollen, athletischen Bewegungen. Simon entwickelt
hierbei fast schlangenmenschenähnliche Fähigkeiten. Felix
Landerer, der lange Mitglied des Staatsopernballettensembles von Stephan
Thoss war, sucht in „so weit ...“ Auswege aus dem Ausweglosen.
Zu metallischen Klängen, die mit Horrorwesenwispern unterlegt sind,
räkelt er sich mal träge am Boden oder springt aggressiv durch
den Raum. Ein facettenreicher Tanzabend, viel Beifall.